Der dritte Term beginnt – alle Hochs und Tiefs im Mai

Nachdem ich dann eine Woche lang im Bett gelegen hatte und mir Schmerzmittel vom Arzt holen musste, kam dann ein Highlight unseres Paisjahres. Das “BYL Weekender”. Das war ein Wochenende in Moneyreagh der Kirche des anderen Pais Teams und ein Tag in BCC mit all unseren Jugendlichen. Verbunden wurde das mit einem Fun Day, also einem Gemeindefest, wo Leute aus der Kirche eingeladen wurden. Es gab Gesichtsbemalung, Familienspiele, einen Eiswagen, Just Dance, Fingerprinting und eine Hüpfburg. Den Freitag haben die Jugendlichen in Moneyreagh verbracht und sind dann abends zur BCC gekommen. Dort haben wir alle gemeinsam übernachtet (ich leider zuhause, weil ich immer noch Schmerzen hatte). Und am Samstag gab es Frühstück, eine Session über Jüngerschaft und dann mussten Vorbereitungen getroffen werden für den Fun Day.

Dieser Tag war einfach DAS Highlight unserer Jugendlichen, denn sie sind aus ihrer Komfortzone gelockt worden, hatten gute Gemeinschaft und konnten praktisch umsetzen, worüber man dann meistens doch nur redet. Gottes Liebe zu zeigen durch so ein Wochenende ist super angekommen und ich bin immer noch so dankbar, dass ich wenigstens den Samstag noch mitnehmen konnte und unsere Jugendlichen so glücklich gesehen habe.

Die nächsten Wochen in Term 3 sind allerdings nicht ruhiger geworden und so haben wir weiterhin fleißig Kinder- und Jugendarbeit in den Kirchen geplant, Dinge für Pais erledigt und nebenbei versucht, mit unseren Familien und Freunden in Kontakt zu bleiben. Glücklicherweise hatten wir langsam auch ein kleines bisschen wärmeres Wetter und konnten auch mal draußen Aktivitäten mit den Kids machen. Hier haben wir z. B. mit Kreide auf dem Kirchengelände ermutigende Nachrichten hinterlassen und Bilder gemalt. 

Außerdem haben Dorit und ich ein Projekt mit dem Namen “It’s your move” gemacht. Das war für die P7, also die letzte Klasse der Grundschule, um ihnen zu helfen, einen guten Übergang in die neue weiterführende Schule zu schaffen und ihnen die Angst  zu nehmen. Das war unter dem Mantel von Scripture Union, die sich zur Aufgabe gemacht haben, auch mit Schülern und Schulen zusammenzuarbeiten und christliche Inhalte nahbarer zu machen. An drei Mittwochen in Folge sind wir in eine Grundschule gegangen und haben Unterrichtsstunden über Sachen wie “Veränderungen” und “ Challenges” gehalten. Zum Glück hatten wir dabei Hilfe von einem Kids und Youth Worker einer anderen Kirche, denn nordirischen Kindern das nordirische Schulsystem als Deutsche zu erklären, macht nicht sehr viel Sinn. 

Am Wochenende nach dem BYL Weekender sind Liana und ich in die Stadt gefahren, um den neuen Downton Abbey Film im Kino zu sehen. Wir sind in die Stadt gefahren, haben uns Boojum geholt und sind dann ins Kino gelaufen, weil Belfasts Busse wirklich keine Ahnung haben, was Zuverlässigkeit bedeutet. 

Nach dem Film sind wir noch in die Stadt gelaufen und haben einmal Belfast “bei Nacht“  erlebt. Überall waren Lichter und eine richtig schöne Stimmung und leider auch viele betrunkene Menschen. Es war echt schön, das auch einmal mitgenommen zu haben und hätten wir mehr Kraft gehabt, wären wir bestimmt auch mal abends in die Stadt gelaufen und hätten dem Großstadt-Vibe eine Chance gegeben.

Am Dienstag dieser Woche hatte Tiago Geburtstag, ein Freund aus St. Clements. Wir haben uns total über die Einladung zu seiner Geburtstagsparty gefreut und es wurde ein richtig schöner Abend. Außerdem muss man immer auf eine Überraschung gefast sein, denn Tiago ist ungefähr der extrovertierteste Mensch, den ich kenne und hat gefühlt tausend Freunde. Und als wir schon fast gehen wollten, kamen noch neue Leute dazu und Tiago meinte nur: „Hier sie ist auch Deutsche, unterhaltet euch mal.“. Das haben wir dann auch gemacht und festgestellt, dass sie auch aus Dresden kommt und mit meinem besten Freund in Stendal studiert. Sie ist zwar einige Semester weiter, aber ich konnte es nicht glauben und mir wurde wieder einmal vor Augen geführt, wie klein die Welt doch eigentlich ist.

Am nächsten Wochenende kam das nächste große Projekt, was wir schon Wochen vorher geplant hatten. Pais veranstaltet einmal im Jahr einen Spendenlauf, um Geld für die Organisation zu sammeln. Jedes Team bekommt das Ziel 300 Pounds zu sammeln und in den Kirchen nachzufragen, wer Sponsor sein möchte. Wir haben uns also in den Wochen zuvor häufig durchgefragt, wer teilnehmen oder sponsern oder beides machen möchte. Wir haben uns dazu entschieden, den 10 km Lauf in zwei 5 km Läufe auszuteilen: einen in der BCC am Samstag und einen in St. Clements am Sonntag. Jeder von uns übernahm eine Gruppe und die Leute konnten sich zwischen spazieren gehen, joggen und Fahrradfahren entscheiden.

Am Samstag waren wir eine kleine Gruppe von Leuten und ich bin mit Matthew und Paddy aus der BCC die 5 km gerannt. Da wir aber in den Wochen davor überhaupt keine Zeit zum Üben hatten, musste ich mich dem ohne Training stellen. Zum Glück haben die beiden mich immer wieder motiviert und haben extra langsam für mich gemacht. So habe ich tatsächlich fast 5 km durchgehalten. Nachdem wir alle wieder angekommen waren, gab es noch Tee und Kuchen und dann mussten wir die BCC schon für unser nächstes Event vorbereiten, denn das war nicht das einzige Projekt an diesem Tag.

Später kamen unsere Jugendlichen zum Holy Spirit Day des Alpha Kurses. Der Sinn dahinter ist, dass man eigentlich ein ganzes Wochenende zusammen verbringt, wegfährt und über den Heiligen Geist lernt. Wir hatten leider nicht die Kapazität, Zeit und Möglichkeit wirklich irgendwo hinzufahren, haben aber trotzdem das Beste draus gemacht. Wir haben die Videos von Alpha geguckt und uns dann in Kleingruppen darüber ausgetauscht. Es war so besonders, unseren Jugendlichen zuzuhören, wie sie mehr über Gott und den Heiligen Geist lernen und hören wollen. Außerdem haben wir zusammen mit unseren Mentees gebetet, dass wir den Heiligen Geist spüren und seinem Willen folgen, denn wenn ich meine landeskirchliche Erfahrung betrachte, fällt der Heilige Geist bei uns meistens ein bisschen hinten runter. Wir haben es nicht so mit Wunderheilungen und fliegenden Stühlen und das ist auch total okay so, ich fand es aber trotzdem – oder gerade deswegen toll, mehr darüber zu erfahren und zu lernen.

Nach diesem emotionalen und tollen Tag waren wir alle echt fertig und haben uns auf noch einmal 5 km am Sonntag gefreut.

In St. Clements haben wir unseren Lauf im Ormeau Park durchgeführt und es war total chaotisch, weil Liana erst aus der BCC kommen musste, aber das Fahrrad noch Zuhause war und und und. Nachdem wir aber die erste Runde gedreht hatten, saßen wir alle gemeinsam um einen Tisch herum und haben gepicknickt. Das war dann wieder entspannt und echt lustig. Ich denke, dass es wirklich allen Spaß gemacht hat.

Außerdem sind unsere Jugendlichen aus St. Clements auch mitgekommen, was am Anfang noch echt toll und spaßig war… irgendwann haben sie sich aber gekloppt und wir konnten einem unserer Jungs eine Dreiviertelstunde hinterherrennen und er wollte doch einfach nicht kooperieren. Irgendwann haben wir dann seine Eltern erreicht, die erlaubt haben, ihn alleine nach Hause laufen zu lassen und wir haben uns noch um die anderen gekümmert. Im Nachhinein muss ich jetzt schon ein bisschen darüber lachen, denn keiner bereitet dich auf solche Situationen vor. Da muss man schnell und schlau handeln, denn man hat Verantwortung für eine Person, die manchmal echt nervt, aber die einem schon unglaublich ans Herz gewachsen ist. Glücklicherweise ist alles gut gegangen und nach diesem Monsterwochenende haben wir uns alle nur noch in unsere Zimmer verzogen und die Me-Time genossen. 

In der nächsten Woche ging es mir schon von Anfang an mental nicht so gut. Ich habe irgendwie mein Zuhause und auch meine Familie so sehr vermisst und am Dienstag konnte ich mich bei der Arbeit super schlecht konzentrieren. Zufälligerweise (oder doch Gottes Führung) kam James Crockett an diesem Tag vorbei, der sowieso in der letzten Zeit immer für uns da gewesen ist und wir bei ihm mehr als nur ein Gespräch unter Tränen geführt haben. Er hat sofort gemerkt, dass irgendwas los ist und Liana hat glücklicherweise das Reden übernommen. Seine Reaktion dazu war nur: “If you need a break, take one!” (“Wenn du eine Pause brauchst, nimm sie!”). Das hat mich dann nicht mehr losgelassen und Liana hat mir geholfen, nach Flügen zu gucken und bei all dieser Spontanität einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich habe dann mit allen Verantwortlichen geredet (und das waren echt viele) und alle waren super verständnisvoll und ermutigend. Dann musste ich jetzt nur noch meinen Eltern von den Neuigkeiten erzählen und nach ziemlicher Überraschung, einem hin und her, wer mich vom Flughafen abholt und vielen Tränen, habe ich dann tatsächlich ein Flugticket nach Hause gebucht.

Der nächste Tag hätte auch voller nicht sein können und wir mussten früh zeitig in einer Schule sein. Das war zusätzlich noch mein Solo-Ministry, was heißt, dass ich alles alleine vorbereitet hatte und die Leitung übernahm. Vor 400 Schülern in zwei Durchläufen haben wir dann über Jesus als Licht der Welt gesprochen und ich hatte meinen Koffer für Zuhause einfach schon mit. Dann hat uns Michael abgeholt, mit dem wir “It’s Your Move” machen und wir sind in die nächste Schule gefahren, um da über Veränderung zu sprechen. Dann hat er mich zum Buscenter gefahren und ich bin die zwei Stunden mal wieder nach Dublin gefahren. Um viertel 10 abends war ich dann in Berlin und mein Papa hat mich mit einem strahlenden Gesicht begrüßt und schon wusste ich, dass dieses Abenteuer jeden Cent wert war.

Ich hatte dann 5 Tage alleine zuhause, weil meine Eltern bei Freunden waren. Ich habe diese fünf Tage mit arbeiten, Klavier spielen, mit Sunny telefonieren, Geburtstag meines Onkels feiern, bei Oma essen und Glücklichsein verbracht.  Außerdem habe ich richtig viele Videos für Sunny aufgenommen, ein paar ausgewählte könnt ihr rechts angucken 😀

Ich kann es nicht mal erklären, warum ich so plötzlich und unbedingt nach Hause musste, aber diese Art von Heimweh hatte ich in dem ganzen Jahr noch nicht erlebt. Ich hatte keine Kraft und Konzentration für irgendetwas und ich wusste: nur nach Hause kommen hilft jetzt. Ich bin auch nicht nach Hause gekommen, um eine gute Zeit mit Leuten zu haben und das war auch nicht das, was ich gebraucht habe. Ich musste nur für mich an den Ort zurück, an dem ich ich sein kann und wo 19 Jahre Erinnerungen hängen. Ich habe in diesen Tagen nichts mehr genossen, als alleine spazieren zu gehen, das Haus für mich allein zu haben und bei Gott aufzutanken. Ich habe es dann später so beschrieben, dass ich in Nordirland darauf vertraue, dass Gott gut ist und es Zuhause aber in jeder Ecke sehen darf. So viele Gespräche sind mir eingefallen, die ich mit Sunny an den verschieden Orten geführt habe und die sie damals schon ein kleines bisschen näher zu Gott gebracht haben. Auch wenn sie erst die Entscheidung treffen konnte, als sie mal weg von uns allen war, wurde ich wie aufgefüllt in dieser kurzen Zeit Zuhause.  Und diese Kraft habe ich auch echt gebracht für den letzten Monat. Was da so alles noch anstand, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Bis Bald!

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