Reach- Das Vorbereitungsseminar

Nachdem wir nun alle wussten wo es hingeht und ich mein Visum (was man ja dank des Brexits beantragen musste) bekommen hatte, ging es für uns vom 12.07 bis zum 17.07.2021 nach Borgwedel, nahe der dänischen Grenze. In einer Jugendherberge sollte unser Vorbereitungsseminar stattfinden und uns damit ein guter Start in das Jahr ermöglicht werden. Voller Vorfreude bin ich am 12. Juli um 5:00 Uhr aufgestanden um mit meinem Papa nach Dresden zum Zug zu fahren. Leider ging es mir aber 10 Minuten nach dem Aufstehen so schlecht, dass ich fast umgefallen bin. Meine Mama hat mich dementsprechend erstmal ins Bett verfrachtet und wollte mich nicht gehen lassen. Ich war aber felsenfest entschlossen und obwohl es mir so schlecht ging, habe ich immer wieder darauf beharrt fahren zu wollen und zu müssen. Kurz vor um 6 hatte ich mich nun doch aufgerappelt und bin mit Übelkeit und Bauchschmerzen mit meinem Papa nach Dresden gefahren (normalerweise dauert das eine Stunde. Wir waren nach 40 Minuten da… :D)

Also standen wir da am Bahnhof mit Koffer und Co und mir ging es nicht besser. Schließlich bin ich aber doch in den Zug eingestiegen und die Reise ging los. Jetzt gab es für mich kein Zurück mehr. Die ganze Fahrt über habe ich einfach nichts gemacht, außer meinen Eltern Updates gegeben, wie es mir ging. Mein Umstieg in Hamburg stellte sich als besonders schwierig heraus. Ein großer Bahnhof, eine kleine Hannah und ganz viele Menschen. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir wirklich noch schlechter, aber man konnte ja nichts machen. Also saß ich im Hamburger Hauptbahnhof und hab mit meinen Eltern telefoniert, die mich angespornt haben durchzuhalten. Wohlerzogen wie ich bin, habe ich das natürlich auch gemacht :D.

nach 8 Stunden Zugfahrt endlich angekommen (wenn ich mir das heute angucke, frage ich mich wirklich wie ich das überlebt habe. Ich bin ja weiß wie eine Wand)

Als ich dann endlich in Borgwedel angekommen war, hatte ich noch ungefähr zwei Stunden Zeit, bevor das wirkliche „Welcome“ beginnen sollte. Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, habe ich mich vor die Jugendherberge gesetzt und mein Lunchpaket verspeist. Als ich dort ein bisschen ausgeruht hatte, kamen die drei Leiterinnen unseres Seminars und haben mich herzlich empfangen. Dann hatte ich noch ungefähr eine Dreiviertelstunde, bevor Liana (meine eine Teamkollegin) ankam und habe mich ans Meer gesetzt (bis heute habe ich nicht ganz verstanden, ob es jetzt der Ostseefjord Schlei, oder der Fluss Schlei ist), ich finde aber, dass „am Meer“ einfach schöner klingt.

Als das warten ein Ende hatte und Liana ankam ging es mir besser, aber noch lange nicht gut. Trotzdem war das erste richtige Treffen mit Liana ein richtiges Highlight für mich. Wir haben uns super gut verstanden und ich war so froh jetzt ins Abenteuer zu starten. Nach dem einchecken sind wir in unseren Bungalow geführt worden und haben uns in Siebenerzimmern aufgeteilt. Zuerst waren nur Liana und ich in einem Zimmer, später sind noch Jana-Marit und Erin dazugekommen. Später sollte sich herausstellen, dass ich auch diese Mädels unglaublich in mein Herz schloss.

Nach dem ersten Abendbrot in der Jugendherberge, dem Kennenlernen und Belehrungen fielen wir alle müde ins Bett und freuten uns auf das, was uns in den nächsten Tagen erwartete.

Jeder Morgen begann mit Frühstück und gemeinsamem Worship. Dann hatten wir verschiedene Elemente, wie Kleingruppenzeit, Keynotes oder Sessions über bestimmte Themen. Wir lernten unglaublich viel über Gottes Königreich, Sicherheit im Ausland, Erwartungen, die Bibel, Kultur, Jesus, Alltagsmission und uns selbst.

Unsere erste Keynote handelte zum Beispiel davon, was unser gemeinsames Anliegen bei Pais ist:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird er euch alles geben, was ihr braucht.

Matthäus 6.33

Gottes Königreich ist überall da, wo Gott als König regiert oder auch wo seine Macht hin-REICH-t. Das Reich Gottes ereignet sich unter den Menschen, in dem wir uns entscheiden mit ihm zu leben und das ist ein Mindset, kein To-Do.

Auch über Kulturen haben wir unglaublich viel gelernt. Zum Beispiel sind sie von Menschen gemacht und auch sehr unterschiedlich. Verhaltens-/ Kulturbrillen abzulegen ist außerdem sehr schwierig und auch nicht das Ziel. Es hilft aber darüber zu lernen und sich vor allem auf eine neue Kultur einzulassen. Zum Beispiel gibt es das Pfirsich- und Kokosnussmodell:

Pfirsichmodell

  • weiche Schale –> man wird super schnell aufgenommen
  • harter Kern –> persönliche Dinge werden erst nach langer Zeit erzählt

Kokosnussmodell

  • harte Schale –> wirken distanziert
  • weicher Kern –> hat jemand einen anderen in sein Herz geschlossen, bleibt er da auch

Um einen Kulturschock zu vermeiden, wurde uns zum Beispiel empfohlen Bereitschaft zur Anpassung zu entwickeln. Außerdem ist eine gute Vorbereitung auf das Land oder die Kultur sehr wichtig und vor Ort kann man: Verhalten beobachten und vergleichen, Ereignisse reflektieren und nicht gleich alles interpretieren. Man sollte immer wieder das eigene Herz prüfen um Urteile, Abneigung, Verbitterung und Vorurteile zu vermeiden. Ein soziales Netzwerk im neuen Land hilft außerdem dabei sich nicht alleine oder fehl am Platz zu fühlen.

Das Thema einer Session war die „Blöde Herde“. Da man bei Pais immer gemeinsam mit Menschen arbeitet ist es wichtig, dass sich alle miteinander demütig vor Gott stellen. Wenn jemand einen Fehler macht ist es wichtig, sich auf Demut zu besinnen. Aber warum „Blöde Herde“?

Stellt euch mal ein Herde Zebras vor, die von einem Löwen angegriffen wird. Die Herde wird sich zusammenstellen und zu einem dicken Klumpen verschmelzen. Sobald ein Zebra aus der Herde herausfällt wird der Löwe dieses angreifen. Bleibt die Herde aber zusammen, hat der Löwe keine Chance, weil der dicke Klumpen an Zebras zu riesig für ihn ist. Nach einer Weile wird er weg gehen und sich denken: „Blöde Herde, die halten zusammen“.

eine „Blöde Herde“

Und wir wollen mit Pais genau so eine werden. Der Teufel soll weg gehen und sagen „Blöde Herde“. Das bedeutet: gerade wenn es jemand nicht verdient hat sollen wir uns vergeben.

Der Feind ist niemals der Mensch oder seine Fehler, sondern der, der uns deswegen aussondern will.

Nach dieser Session haben glaube ich alle deutschen Paisler des Reachs gemerkt: Wir wollen so eine blöde Herde werden und deswegen heißt unsere WhatsApp Gruppe nun auch so. Wir haben uns alle unglaublich gut verstanden und spätestens nach dem Zeugnisabend am Mittwoch wurden wir eine komplette Einheit.

Am Freitag hatte ich Geburtstag und wurde um Mitternacht von meinen Zimmergesellen mit Happy Birthday und kleinen Muffins überrascht. Auch meine besten Freunde von Zuhause haben mich mit einer Videobotschaft herzlich zum Lachen gebracht. Nach wenigen Stunden Schlaf sind wir früh ganz normal zum Frühstück gegangen und dort erwartete mich die nächste Überraschung. Der Raum war geschmückt, ich fand einen Kuchen auf meinem Platz und alle Paisler inklusive Mitarbeiter haben sich aufgestellt um mir ein Ständchen zu singen.

Der Himmel an meinem Geburtstag
zu meinem Geburtstag um Mitternacht in unserem Zimmer
der geschmückte Raum

Ich hätte mir niemals einen schöneren Geburtstag vorstellen können, vor allem, weil wir am Nachmittag alle schick gemacht zum Aussendungsgottesdienst zusammenkamen. Dort erwartete uns hoher Besuch: Jan, der Nationaldirektor von Pais Deutschland. Er erzählte uns noch einmal, was es bedeutet ausgesendet zu werden und danach wurde für jeden gebetet. Der Abend endete mit einer Grillparty und unglaublich guten Gesprächen.

Liana und ich
beim gemeinsamen zusammen sitzen
die „Blöde Herde“
beim gemeinsamen Volleyball spielen
beim Aussendungsgottesdienst

Am Samstag mussten wir uns dann verabschieden, wussten aber genau, dass wir uns immer wieder ermutigen und einander unterstützen werden. Wir wussten: die blöde Herde, die wir geworden waren bleibt ein Team!

Der Löwe kann kommen

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